
Bild:sxc/jkatx
Bio-Baumwolle ist in jüngster Zeit schwer unter Beschuss geraten: Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland (FTD) vom 22. Januar
FTD schrieb dazu volgendes: Der Fall trifft die Bekleidungsindustrie hart: Biotextilien gehören zu den großen Trends der Branche. Zahlreiche Händler haben Ökoprodukte als Marketinginstrument entdeckt. Die weltweite Produktion von Biobaumwolle ist binnen vier Jahren von 20.000 auf 141.000 Tonnen gestiegen. Während der Umsatz mit Biotextilien 2005 noch bei 500 Mio. $ lag, wird er dieses Jahr Schätzungen zufolge 5,3 Mrd. $ erreichen
so soll im vergangenen Jahr in großem Stil indische Baumwolle als Bio-Baumwolle verkauft worden sein, obwohl sie Spuren gentechnisch manipulierter Rohware enthielt. Lokale indische Medien hätten aufgedeckt, dass gentechnisch veränderte Ware unter dem Bio-Label vermarktet wurde, die indischen Behörden seien eingeschritten und hätten die beteiligten Unternehmen mit einem Strafgeld belegt, darunter auch die Zertifizierungsunternehmen Ecocert aus Frankreich sowie Control Union aus den Niederlanden. Hauptabnehmer der Baumwolle seien Ketten wie C & A, Tchibo und H & M. Der Bericht in der FTD legte zudem nahe, dass ein großer Teil der indischen Bio-Baumwollsaat genverändert sei.
Wie reagieren die beschuldigten Unternehmen?
Der Zertifizierer Ecocert erklärt gegenüber ÖKO-TEST, er habe nie Zertifikate für genveränderte Baumwolle ausgegeben, das Strafgeld der indischen Behörden sei wegen Unregelmäßigkeiten in der Verwaltung verhängt worden. Auch die niederländische Control Union wiegelt ab: Seit die Gerüchte über genverändertes Saatgut im Markt kursierten, habe man die Kontrolluntersuchungen verstärkt, das Strafgeld sei in anderem Zusammenhang zu zahlen gewesen.
Auch das Modeunternehmen H & M sieht keinen Grund anzunehmen, dass für Bio-Baumwolle für H & M-Kleidung genverändertes Saatgut benutzt wurde. H & M hätte wohl mitbekommen, dass der Zertifizierer Control Union im vorigen Jahr von der indischen Behörde für unzureichende Kontrollen bezüglich Saatgut und Aussaat kritisiert worden sei. Control Union hätte aber die Kontrollen verstärkt und keiner der beteiligten Farmen sei die Nutzung von genverändertem Saatgut nachgewiesen worden. C& A kündigt an, eigene Untersuchungen vor Ort in Indien vorzunehmen. Tchibo schließlich erklärt, gar nicht betroffen zu sein, weil die Bio-Baumwolle für Tchibo-Textilien nicht aus Indien, sondern aus der Türkei stamme.
Was ist also dran an den Vorwürfen?
Dass es einen Betrug gab, bei dem auch die Zertifizierer wissentlich mitgemischt haben, scheint unwahrscheinlich. Dennoch ist das Thema Verunreinigung von Bio-Baumwolle mit genveränderter Baumwolle in Fachkreisen lange bekannt. Dass Bio-Ware durch Pollenflug oder bei der Verarbeitung und Lagerung verunreinigt werden kann, ist nämlich nicht auszuschließen. Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) etwa beschäftigt sich nun mit strengeren Kontrollen. “Wir müssen künftig noch genauer hinschauen und auch einen zuverlässigen Test entwickeln, mit dem wir die fertigen Stoffe überprüfen können”, sagt IVN-Sprecherin Heike Scheuer.
Kann ich mich auf Bio-Baumwolle verlassen?
Im Großen und Ganzen ja. Die bestehenden Zertifizierungssysteme wurden mühsam und seriös aufgebaut. Natürlich könnten sie noch verbessert werden. Kontrollen können im Einzelfall zu lasch sein, dass es schwarze Schafe gibt, ist nie auszuschließen. Beim Thema Verunreinigung durch gentechnisch veränderte Baumwolle muss nachgearbeitet werden. Das stellt aber nicht infrage, dass durch den Bio-Anbau von Baumwolle große Mengen an Pestiziden und Düngemitteln eingespart werden. Wer Textilien aus Bio-Baumolle mit strengen Kriterien für Schadstoffe kaufen will, orientiert sich an den Labeln IVN-zertifiziert Best oder GOTS (Global Organic Textile Standard).
Quelle: Ökotest / ( oet )
Verwandte Themen auf www.am-hainersee.de:





